Andreas Rehberg im Interview: Veränderte Anforderungen

Über die aktuelle Lage auf dem Immobilienmarkt Hamburg


News | Hamburg
24.09.2020


Immobilien gelten als wertstabile und krisensichere Kapitalanlage. Wie sich die aktuelle Corona-Pandemie dennoch auf den Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt in Hamburg auswirkt, darüber spricht Geschäftsführer Andreas Rehberg im Interview mit der G&B-Pressestelle.

Herr Rehberg, wo steht der Immobilienmarkt in Hamburg nach rund einem halben Jahr Corona-Krise?

Andreas Rehberg: Der Hamburger Immobilienmarkt zeigt sich nach einem kurzzeitigen Stillstand im März und April insgesamt wieder stabil. Die Nachfrage hängt allerdings stark vom Produkt ab. Während einzelne Assetklassen stärker unter Druck geraten sind, zeigen sich andere äußerst krisensicher.
 

Welche denn?

Rehberg: Sehr stabil geblieben ist das Marktsegment Wohnen. Nachdem sich Kaufabschlüsse während des Shutdowns verlangsamt hatten, hat sich der Hamburger Wohnimmobilienmarkt schnell wieder erholt. Wohnen ist ein Grundbedürfnis, dessen Bedeutung durch den Lockdown nochmals zugenommen hat. Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist entsprechend wieder auf dem Vorkrisenniveau. Das Angebot ist hingegen nach wie vor knapp.
 

Haben sich die Wohnwünsche durch die Krise verändert?

Rehberg: Durchaus. Homeoffice und Social Distancing haben dazu geführt, dass Menschen mehr Zeit in ihrem Zuhause verbringen. Entsprechend sind Ausstattungsmerkmale wie ein separates Arbeitszimmer, ein Balkon oder Garten und naturnahe Lagen wichtiger geworden. Daher rückt das Umland mit seinen großzügigen Grundstücken und vergleichsweise niedrigeren Quadratmeterpreisen noch mehr in den Fokus.  
 

Steigt auch die Nachfrage nach privaten Kapitalanlagen?

Rehberg: Ja, gerade in Krisenzeiten wollen Menschen ihr Geld sicher anlegen. Aufgrund der hohen Wertstabilität stellen Wohnimmobilien eine attraktive Kapitalanlage dar. Neben Eigentumswohnungen zur Vermietung erfahren insbesondere Ferienimmobilien an Nord- und Ostsee einen regelrechten Run. Diese waren auch schon vor der Corona-Krise als lukrative Kapitalanlage sehr begehrt. Urlaub im eigenen Land liegt im Trend – etwa aus Gründen der Nachhaltigkeit oder nun vermehrt wegen der aktuellen Reisebeschränkungen.  
 

Sind Mehrfamilienhäuser als Anlageobjekt ebenso gefragt?

Rehberg: Absolut. Aufgrund der Investitionspause durch den Lockdown ist derzeit viel Geld im Markt. Anleger wägen durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Inflationsangst sehr genau ab, wo sie ihr Geld investieren. Zinshäuser stellen eine ziemlich inflationssichere Investitionsmöglichkeit dar. Das Transaktionsgeschehen in dieser Assetklasse ist momentan sehr stark.
 

Hat sich der Markt für Neubauimmobilien durch Corona verändert?

Rehberg: Die Anzahl der neu angebotenen Projekte und Wohnungen ist 2020 niedriger als in den Vorjahren. Einer der Gründe dafür ist, dass auch einige Bauträger die Entwicklung der Pandemie abgewartet und ihre Projekte vorerst nicht an den Markt gebracht haben. Die Nachfrage nach Neubauwohnungen ist nach wie vor auf sehr hohem Niveau und scheint durch die Pandemie weiter angefacht zu werden.
 

Wie sieht es auf dem Büromarkt aus?

Rehberg: Der Hamburger Büromarkt zeigt sich derzeit eher abwartend. Unternehmen wägen momentan ab, inwieweit sich das mobile Arbeiten auf die zukünftig benötigte Bürofläche auswirkt. Die bis vor der Corona-Krise historisch niedrige Leerstandsquote erhöht sich derzeit wieder leicht.
 

Woran liegt das?

Rehberg: Branchen, die von der Corona-Pandemie stärker betroffen sind, denken über eine Flächenreduzierung oder den Umzug in günstigere Lagen nach. Einige Unternehmen haben auch durch den Shutdown gesehen, dass Homeoffice für ihre Branche funktionieren kann, und beschäftigen sich nun stärker mit ihrem Flächenverbrauch.


Was heißt das konkret?

Rehberg: Wenn ein Teil der Mitarbeiter von zu Hause arbeitet, braucht das Unternehmen mittel- und langfristig weniger feste Arbeitsplätze. Mehrere Mitarbeiter können sich einen Arbeitsplatz teilen, wenn ihre Anwesenheit im Büro zeitlich aufeinander abgestimmt wird. Dadurch verändert sich der Flächenbedarf oder zumindest die Art der Flächennutzung. Dies erfordert die Erarbeitung neuer Bürokonzepte.
 

Was bedeutet das für die Rolle als Makler?

Rehberg: Für Immobiliendienstleister besteht ein erhöhter Beratungsbedarf. Es gilt, die Herausforderungen der Unternehmen zu analysieren und daraus die Anforderungen an Büroimmobilien abzuleiten. Für manche Firmen kann beispielsweise auch die Untervermietung von Teilflächen eine Option sein. Hier müssen Makler dann für beide Parteien einvernehmliche Lösungen finden.
 

Wie sieht es auf dem Markt für gewerbliche Investments aus?

Rehberg: Auch hier hängt die Nachfrageentwicklung stark vom Produkt ab. Nach wie vor gefragt sind Core-Objekte und solche mit der Öffentlichen Hand als Mieter. Eigenkapitalstarke Käufer wie Pensionskassen und Versorgungswerke haben derzeit größere Chancen, an gute Produkte zu kommen. Da die Preise stabil geblieben sind, ist davon auszugehen, dass bald wieder mehr Produkte auf den Markt kommen.
 

Und auf dem Industrie- und Logistikmarkt?

Rehberg: Auf dem Markt für Industrie, Lager und Logistik ist mittlerweile auch wieder deutlich mehr Bewegung drin als unmittelbar nach dem Lockdown. Anfragen kommen überwiegend von Handels- und Produktionsunternehmen, beispielsweise von medizinischen und technischen Produkten. Im traditionell starken Im- und Exportgeschäft ist es dagegen weiterhin ziemlich ruhig. Für Anleger sind Logistikimmobilien durchaus attraktiv, da damit bessere Renditen zu erzielen sind als etwa mit Büroimmobilien.
 

Welche Marktsegmente stehen derzeit stärker unter Druck?

Rehberg: Die von der Corona-Krise am meisten betroffenen Assetklassen sind Hotel und Einzelhandel. Klassische Einzelhandelsimmobilien wurden schon vor der Corona-Krise durch den Online-Handel verdrängt. Dieser Trend hat sich durch die Pandemie und den Shutdown nochmals deutlich verstärkt.
 

Was kann dem Einzelhandel helfen?

Rehberg: Immobilienbesitzer müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie ihre Flächen besser vermarkten können. Ein erfahrener Experte kann Eigentümer hinsichtlich der aktuellen Marktlage und den sich verändernden Marktdaten beraten. Ein möglicher Lösungsansatz kann beispielsweise sein, die Miete zu reduzieren und die Vertragslaufzeit zu verlängern.
 

Vielen Dank für das Gespräch!

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